„Sie können alles essen, was Sie möchten .​.​.

… es gibt keine spezielle Diät!“

Diesen einen Satz „Sie können alles essen…“ habe ich bis heute zigmal von ausnahmslos allen Schulmedizinern, die ich gefragt habe, zu hören bekommen…

Wirklich geglaubt habe ich diese Aussage nie – da hat mein Bauchgefühl (das ich übrigens auch heute, ohne Dickdarm, noch habe ;)) immer ganz laut rebelliert.
Liegt auch irgendwie nahe, dass eine Erkrankung des Verdauungstraktes UNTER ANDEREM ernährungsbedingt sein könnte. Unter anderem groß geschrieben, weil ich der Meinung bin, dass es sich um eine sehr komplexe Erkrankung mit multiplen Einflussfaktoren handelt, wobei die Ernährung aber sicher eine entscheidende Rolle spielt.

UPDATE November 2016: glaube ich im Ansatz nach wie vor, aber ich messe der viralen Komponente (v.a. EBV, CMV & Herpes Zoster) eine weitaus größere Bedeutung zu, als damals…

Die Frage, die ich mir immer gestellt habe, ist, inwieweit ein Allgemeinmediziner, Chirurg oder Gastroenterologe denn eigentlich dazu qualifiziert ist, eine solch definitive Aussage treffen zu können – ohne dabei irgendjemandem zu Nahe treten zu wollen.

Aber: wie viele Semester Ernährungswissenschaft enthält ein Medizinstudium in Deutschland? Gar keines.
Und warum sagt man mir nicht einfach „Ernährung ist leider nicht mein Fachgebiet – ich empfehle Ihnen, das mit einem Spezialisten zu besprechen.“?
Wenn mir in meinem Job ein Kunde eine Frage stellt, deren Antwort ich nicht sicher weiß, erzähle ich ihm doch auch nicht einfach irgendetwas, wovon ich vermute, dass es richtig ist – Hauptsache ich bewahre meine vermeintliche Kompetenz – sondern sage ihm, wie es ist – „Tut mir leid, die Frage kann ich Ihnen ad hoc nicht beantworten, ich leite sie an meinen zuständigen Kollegen weiter und melde mich schnellstmöglich bei Ihnen.“ So mache ich das.
Ach, immer dieses Problem, von sich selbst auf andere zu schließen …

Wahrscheinlich hat das auch etwas mit dem Druck zu tun, den man sich als Arzt zum einen selbst auferlegt und zum anderen durch die hohe Erwartungshaltung der Patienten auferlegt bekommt „allwissend sein zu müssen“ … Aber das ist nur eine Vermutung meinerseits.

Die Begründung der anfangs genannten Aussage lautete immer “weil es bis heute keine wissenschaftliche Studie gibt, die das belegt“.
Im Anbetracht der Tatsache, wer die meisten „wissenschaftlichen Studien“ finanziert – nämlich die Pharmaindustrie – leuchtet es mir absolut ein, warum sie nicht existieren… Wer soll auch an einer Ernährungsumstellung Geld verdienen? Und was, wenn die Leute am Ende gar noch gesund werden und keine oder viel weniger Medikamente brauchen?! Ein Alptraum! Zumindest für die „Studienfinanzierer“.

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Komisch aber, dass es gleichzeitig eine ganze Menge Studien gibt, die belegen, dass die CED (chronisch-entzündliche­n Darmerkrankungen) eine absolute „Wohlstandskrankheit“ sind und signifikant häufiger in den Industrienationen vorkommen:

TU München (2009): „Immer mehr Menschen in den Industriestaaten leiden unter chronisch entzündlichen Darmerkrankungen.“
Uni Münster (2011): „Die CED stellen ein wachsendes Problem dar, gerade in den westlichen Industrienationen. „In den letzten Jahrzehnten ist es zu einer Vervielfachung der CED-Häufigkeit in Deutschland gekommen, man rechnet mit mindestens 320.000 Menschen in Deutschland, die an Morbus Crohn und Colitis ulcerosa leiden”

Medizinische Hochschule Hannover: „Länder mit hoher Inzidenz und Prävalenz sind Industrienationen wie Nordeuropa und Nordamerika, was als „Nord-Süd Gefälle“ bezeichnet wird.“

„Das Auftreten der CED ist eng mit dem Lebensstil westlicher Industrienationen verbunden. Klare Hinweise sind die steigende Inzidenz nach dem II. Weltkrieg in westeuropäischen Populationen und die beobachtete Verzögerung im Anwachsen der Inzidenzen in den südeuropäischen Ländern.“

Fakt ist, dass ich mittlerweile unzählige Erfahrungsberichte von CU/MC Patienten gelesen habe, die durch eine Ernährungsumstellung eine deutliche Besserung der Symptome oder gar dauerhafte Remission erzielen konnten – hier zwei Beispiele:

http://www.manuel-braun.com/blog/2012/12/morbus-crohn/

http://global-conversation.blogspot.de/2012/01/wie-ich-zur-scd-kam-ode­r-wie-sie-mich.html

Da es im Internet und in Buchform ausreichend Informationen zu der sogenannten SCD – Special Carbohydrate Diet gibt, beschränke ich mich hier auf die oben genannten Erfahrungsberichte (für mehr googeln oder in einschlägigen Foren / Facebook-Gruppen einfach einmal in die Runde fragen…) und das Nennen der deutschsprachigen Homepage: http://www.scdiet.de/

Die Seite scheint nicht mehr zu existieren – hier Alternativen:

SCD-Blog.de

breakingtheviciouscycle.info (das englische Original)

Das ist sicher kein alleiniges Allheilmittel, sollte aber meiner Meinung nach unbedingt komplementär – also ergänzend zu schulmedizinischer und naturheilkundlicher Behandlung – beachtet werden.
Ich habe mir im Nachhinein jedenfalls gewünscht, ich hätte der Sache vor gut einem Jahr – als ich das erste Mal von dieser Diät gelesen hatte – mehr bzw. meine volle Aufmerksamkeit gewidmet und sie durchgezogen.
Leider habe ich es nicht geschafft, anscheinend ging es mir noch nicht schlecht genug oder die Vorstellung von der unglaublichen „Einschränkung“ (die letztendlich ja nur eine Veränderung ist) bezüglich meiner Essgewohnheiten hat mich zu sehr verängstigt…

Aber das fällt alles unter die Kategorie „Hätte, hätte, Fahrradkette!“ und zählt somit nicht 😉

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