Weltreise 2017

Morgen geht es los, auf die Reise aller Reisen – eine Reise, von der ich mein halbes Leben geträumt habe und die ich beinahe nicht mehr erleben hätte können (zumindest nicht in diesem Leben;)). Kurz nachdem ich 2014 wieder halbwegs hergestellt war, begann ich jedem, der es hören wollte, oder auch nicht, davon zu erzählen, dass ich auf Weltreise gehen würde, sobald ich wieder gesund sei.

Wie ich im Nachhinein festgestellt habe, ist das übrigens ein guter Trick, um Dinge, die man sich vorgenommen hat, auch tatsächlich umzusetzen. Schließlich wissen nun eine Menge Leute von diesem Vorhaben, haben eine gewisse Erwartungshaltung, fragen vielleicht immer mal wieder nach und man gerät so unter (angenehmen) Druck und kommt viel leichter ins Tun. So war es zumindest bei mir 😉

Die Route sieht folgendermaßen aus:

Zürich – Hong Kong – Perth – Sydney – Fidji – Tonga – Niue – Auckland

Also streng genommen auch nur eine halbe Weltreise, man will es ja nicht gleich übertreiben 🙂

Auf den Fijis und Tonga kommen noch einige Transferflüge zwischen den Inseln hinzu. Voraussichtliche Dauer sind knapp 3 Monate, wobei ich es mir offenhalte, den Rückflug zu verschieben, da Neuseeland schon immer eines meiner Sehnsuchtsziele war und ich gerne längere Zeit dort verbringen möchte.

Nachdem schon vor einiger Zeit fest stand, dass ich beruflich einen klaren Cut machen möchte und muss, weil ich den Zustand aufgrund meiner gesundheitlich dauerhaft unklaren Situation weder meinem Arbeitgeber, noch mir selbst weiter zumuten wollte, habe ich im Mai einen Aufhebungsvertrag unterzeichnet und dann, nachdem die Reisepläne konkret geschmiedet waren, noch vor Ablauf der Frist selbst gekündigt. Auto verkauft, Bausparvertrag vorzeitig aufgelöst, Katze in guten Händen untergebracht.

Auch wenn es sehr beängstigend ist, so ohne Job, dafür mit großen Reiseplänen und unklarer Zukunft, fühlt es sich gut und richtig an.

Die Reise wird ein Ende und Anfang gleichermaßen sein. Das Ende von 3 Jahren Kampf – um Leben und Tod, Gesundheit, Klarheit und so vieles mehr. Heute vor 3 Jahren war ich gerade auf Reha in Bad Hersfeld, mit meinem Ileostoma und knappen 40kg Körpergewicht habe ich mich langsam zurück ins Leben gekämpft. Der Anfang eines neuen Lebens. Wie dieses Leben aussehen wird, weiß ich nicht, aber das ist auch nicht wichtig – der Start ist schon einmal gut und ich vertraue darauf, dass alles so kommen wird, wie es kommen soll und muss und zu meinem Besten ist. So, wie ich übrigens auch alles, was in den letzten 3 Jahren passiert ist, sehe – aber das ist eine Kapitel für sich, das ich zu gegebener Zeit einmal ausführen werde.

Hermann Hesse´s „Stufen“ passen hier ganz gut:

…Es muß das Herz bei jedem Lebensrufe
Bereit zum Abschied sein und Neubeginne,
Um sich in Tapferkeit und ohne Trauern
In andre, neue Bindungen zu geben.
Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,
Der uns beschützt und der uns hilft, zu leben….

Ich werde versuchen, so oft es geht, kleine Videos auf YouTube  hochzuladen und zu berichten – hier findest du die Playlist und ein erstes, leicht verwirrtes, Video aus der Schweiz 😀

Falls du dich auch bald auf eine kleine oder größere Reise machst, teile ich hier noch meine Top10 Reisebegleiter mit dir:

1.) Der OSPREY Sojourn 80 – unfassbar, was in das Teil alles reingeht 😀 Wenn man ihn nicht ganz so voll stopft, ist er erheblich schlanker als auf dem Foto. Extrem praktisch, da er sich sowohl als Rollkoffer, als auch als Rucksack verwenden lässt. Es gibt ihn auch in einer kleineren Version mit 60l Volumen.

2.) Packwürfel – ebenfalls sehr praktisch, so hat man sein Zeug halbwegs geordnet und nicht kreuz und quer durch den Koffer fliegen.3.) Manduka eKO SuperLite™ Travel Mat. – da Yoga in den vergangenen 2 Jahren zu einem festen Lebensbestandteil geworden ist und mir körperlich (ohne Yoga hätte ich meine Bandscheibenprobleme vermutlich nicht so halbwegs gut in den Griff bekommen) und seelisch extrem gut tut, muss eine Yogamatte auf jeden Fall mitkommen.

4.) Mikrofaser Handtuch – ist um einiges leichter als ein Baumwoll- Handtuch

5.) Wasserdichte Hülle – für Handy, Geld, Ausweis, Kreditkarte – so kann man ins Wasser ohne ständig seine Sachen im Auge behalten zu müssen.

6.) Aufblasbares Nackenhörnchen & Kissen – macht sich vor allem dann bezahlt, wenn man einmal keinen Fensterplatz abbekommt, an dem man sich anlehnen kann.

7.) Schlafsack Inlet – falls die Unterkunft bzw. das Bett mal nicht so exakt dem eigenen Verständnis von Hygiene entspricht..

8.) RAV Power – SD Kartenleser, Powerbank & WiFi Repeater in einem. Das Teil kann fast alles – kabelloses Teilen von Dateien: Fotos, Videos und Musik Streaming zwischen iOS-/Androidgeräten und PCs, zwischen Mobilgeräten und SD-Karten/USB-Festplatten und zwischen SD-Karten und externen Festplatten, kabelloser Router wandelt LAN in WLAN um (AP/Router/Bridge), Integrierte 6000 mAh Powerbank (5 V/1 A) zur Aufladung von Smartphones, kabelloser Speicher für iPad, iPhone 4/4S/5, Samsung Galaxy S2/S3/S4/Tab2/Note2 und alle anderen iOS- und Androidgeräte

9.) Reiseadapter – erklärt sich von selbst 😉

10.) Seagate Externe Festplatte – nichts ist ärgerlicher, als unterwegs seine Daten zu verlieren, wenn Laptop oder Handy abhanden kommt. Daher habe ich die Seagate im Gepäck – sie ist Mac und PC kompatibel.

Damit sollte meinem Abenteuer nichts mehr im Wege stehen 😀

Bis bald, alles Liebe,

Deine

 

7 Gründe, ​warum ich für meine Krankheit dankbar bin

Immer wieder werde ich erstaunt gefragt, wie ich es schaffe, mit solch positiver Ausstrahlung über meine Erlebnisse der vergangenen 2 Jahre zu erzählen.

Gute Frage.

Diese Perspektive zu erlangen hat ein wenig gedauert – es hätte aber auch länger sein können und ich bin mir sicher, dass es Menschen gibt, die auf Lebzeiten mit ihrem Schicksal hadern.

Also hab´ ich mal darüber nachgedacht und will nachfolgend einige Gründe nennen, warum ich dankbar bin für alles, was mir widerfahren ist:

1) Das Erfahren bedingungsloser Liebe.
Früher habe ich geglaubt, dass meine Familie und Freunde mich gern haben. Jetzt weiß ich es. Mit 1000%iger Sicherheit.
Die unendliche, bedingungslose Unterstützung und Liebe, die mir – auf allen erdenklichen Wegen – entgegengebracht wurde ist, einer der Hauptgründe meiner Genesung. (Ein weiterer ist mein – zumeist;) – unerschütterlicher Glaube an Heilung)
Alleine wäre das nicht möglich gewesen.

2) Ein neues Bewusstsein ist entstanden.
Nichts ist mehr, wie es einmal war. Und das ist gut so. (Darum konnte ich es nie leiden, wenn mir jemand gut zureden wollte und gesagt hat „bald bist du wieder ganz die Alte“…)
Auch wenn ich wieder an meinen alten Arbeitsplatz zurückgekehrt bin und augenscheinlich wieder das gleiche Leben führe, wie zuvor. Es ist doch alles anders.
Weil sich mein Bewusstsein verändert hat. Die Art, wie ich Dinge und das Leben sehe. Und ich bezweifle stark, dass ich diese Bewusstseinsänderung auf einem anderen Weg hätte erlangen können.
Sicher gibt es Menschen, die in der Lage sind, ganz ohne Schicksalsschläge zu diesen Erkenntnissen zu kommen. Ihnen gebührt mein allergrößter Respekt.
Aber ich, meine Seele, hat diesen Weg gewählt.
Und das führt direkt zum nächsten Punkt…

3) Lernen, Eigenverantwortung zu übernehmen.
Sicher wäre es die bequemste Lösung gewesen, alles einem unfairen Lieben Gott in die Schuhe zu schieben. Oder den Ärzten, die mich mein halbes Leben mit Antibiotika zugestopft und damit mein Immunsystem und meinen Darm ruiniert haben. Oder der Lebensmittelindustrie, den Pharmakonzernen, stressigen Jobs, doofen Exfreunden oder wem auch immer. Ich denke du verstehst, worauf ich hinaus will..
Diese Lektion war sicherlich die schmerzhafteste, gleichzeitig aber auch die befreiendste.
Ich, ganz alleine, übernehme die volle Verantwortung für alles das passiert ist.
Warum? Weil ich es nicht als „Strafe“ oder „Unheil“ empfinde, sondern als verzweifelten Ruf meiner Seele verstehe, die sich nach jahre-, gar jahrzehntelanger Missachtung nicht mehr anders zu helfen wusste. Was ich damit meine folgt sogleich..

4) Selbstliebe in Angriff nehmen.
Ein kleines Wort mit unendlicher Bedeutung, das mir bis dahin in seiner Umsetzung völlig fremd war. Und der Schlüssel zu jeder Heilung ist.
Wir leben in einem Zeitalter, in dem Leistung und Äußerlichkeiten Alles sind.
Sich selbst lieben? LIEBEN? „Was denken wohl die anderen, wenn ich das über mich selbst sage? Und überhaupt, „lieben“ ist ja schon sehr übertrieben – ich kann mich vielleicht mal ein bißchen MÖGEN, wenn ich in der Schule / im Beruf gute Leistungen erbracht und dafür ein Lob bekommen habe.“, „Wer sich selbst liebt, denkt nur an sich und ist total egoistisch“, „Was ist an mir schon liebenswert, ich sehe nicht einmal annähernd aus wie XYZ“ – ich könnte noch viele weitere destruktive Glaubenssätze finden – du wahrscheinlich auch…
Eigentlich gehört dieser Punkt irgendwie mit zur Eigenverantwortung.
In jedem Fall eine ebenso große Herausforderung.
ABER, ich bin ja ein Fan von Herausforderungen 😉 und willens, bis zum Ende meines Lebens daran zu arbeiten. Jede Reise beginnt mit dem ersten Schritt. Und der erste Schritt war, zu erkennen, dass ich hier an mir arbeiten muss.

5) Die innere Stimme wahr-, und vor allem ernst nehmen.
Du weißt schon, was ich meine. Diese Stimme in dir, die meistens in Form von einem Bauchgefühl oder einem „unerklärlichen“ Wissen auftaucht. Meistens dann, wenn du still bist. Hektik und Stress mag sie nicht.
Die höre ich seitdem immer deutlicher und öfter. Nicht, weil sie vorher nicht da gewesen ist.
Sondern weil ich ihr nun den Raum gebe, sich zu äußern, sie ernst nehme und ihr die notwendige Beachtung schenke.

6) Mehr Empathie empfinden.
Die Erfahrungen, die ich mit dem Unverständnis von Außenstehenden und manchmal auch Nicht-Außenstehenden machen musste – die jede „unsichtbare“ Krankheit mit sich bringt – haben letztendlich dazu geführt, dass mein Empathievermögen gewachsen ist. Man überlegt es sich plötzlich doch lieber zweimal, bevor man es wagt, ein Urteil zu fällen…

7) Dankbarkeit.
Könnte man mit zu Punkt 2) zählen, aber ich denke sie verdient eine eigene Überschrift.
Dankbarkeit ist für mich in ihrer Bedeutung gleichgestellt mit Selbstliebe. Wieder ein kleines Wort mit großer Macht, das mir definitiv eine große Hilfe war und ist. Wir haben so unendlich viele Dinge, für die wir dankbar sein können. Wir sehen sie nur nicht, weil wir sie als selbstverständlich erachten.
Dankbarkeit für elementare Dinge, wie wieder laufen oder sprechen zu können, haben zu einer anderen Dimension von Dankbarkeit geführt, als sie mir bis dahin bekannt war. Selbst an einem Sch…tag kann ich mir jetzt ins Gedächtnis rufen, wie gesegnet ich bin…

Ich wünsche dir von Herzen, dass du einen Weg findest, dein Schicksal anzunehmen und das Beste daraus zu machen!

Alles Liebe,

Alexandra

 

Fast 8 Wochen beutellos

Ich weiß, ich weiß – ich habe Besserung bezüglich meiner Schreibfrequenz gelobt und nun sind schon wieder über 2 Monate vergangen…

Aber ich kann das erklären: in den vergangenen Wochen ging es mir entweder so schlecht, dass ich gar nicht in der Lage war, mich hinzusetzen und in die Tasten zu hauen, oder es ging mir ausnahmsweise besser und ich wollte diesen seltenen Moment nicht mit Erinnerungen an die unschönen Momente der letzten Wochen verbringen…
Gerade habe ich das Gefühl, dass es bergauf geht und irgendwann muss ich die Erfahrung noch zu Papier bzw. besser gesagt auf den Bildschirm bringen, um sie dann auch loslassen zu können.

Mein Gedächtnis hat schon immer die wunderbare Gabe, negative Ereignisse sehr schnell, sehr weit weg zu schieben, aber ich versuche einmal, mich so gut es geht zu erinnern…

Am 7.9. bin ich im Krankenhaus eingecheckt, das übliche Prozedere mit diversen Voruntersuchungen am Folgetag. Am 9.9. dann der große Tag. Die OP verlief planmäßig und erfolgreich. Bereits 5h nachdem ich zurück auf dem Zimmer war, bin ich die ersten Schritte gelaufen und saß auf dem Balkon in der Sonne. Außer einer Wunddrainage auch keine weiteren Kabel oder Schläuche an mir dran – ich war begeistert.

Wenn ich mich recht erinnere, war es Freitag Abend, als sich das erste Mal etwas bewegt hat in meinen Gedärmen.
Ziemlich abgefahren, nach 1,5 Jahren wieder auf der Toilette zu sitzen und einen Pups loszulassen – keiner, der es nicht selbst durchgemacht hat, kann verstehen, wie unglaublich dankbar man für diesen ersten Pups ist! 😀
Zu Essen gab es erstmal gar nix, am Samstag (3. Tag nach OP) und Sonntag dann etwas Suppe und Kartoffelbrei.
Nachdem das soweit alles gut funktioniert hat, bekam ich dann Montag mittag die erste normale Mahlzeit – püriertes Hühnchen mit Karottengemüse. Das Hühnchen extra püriert, nachdem wir ja wussten, dass ich bzw. mein Darm eine gewisse Ileus (Darmverschluss) Neigung nach OPs an den Tag legt… hätte man mal lieber das Karottengemüse auch püriert….
Es hat ein paar Stunden gedauert und ich dachte einmal wieder, ich muss gleich sterben. Krämpfe und Schmerzen, dass mir schon schlecht wird, wenn ich nur daran zurück denke. Und das sind Schmerzen einer anderen Dimension – das kann sich ebenfalls keiner vorstellen, der sie nicht selbst erleben musste. Die einzige Linderung brachte eine ganze Ampulle Dipidolor (ein synthetisches Opioid), allerdings nur für ca. 30 Minuten und das ist schlecht, wenn das Medikament aufgrund seiner Stärke nur alle 4-5 Stunden gegeben werden darf.
Das ging dann 48h Stunden nonstop (also auch kein Schlaf) so weiter, bis ich am Mittwoch abend mit letzten Kräften auf den Putz gehaut und ein sofortiges CT oder sonstige Untersuchung gefordert habe.
Noch eine Nacht und ich wäre aus dem Fenster gesprungen.

Der Chirurg, der sich meiner erbarmt hat, wollte mich direkt aufschnippeln, um zu sehen, was da los ist (eine Vermutung hatte gelautet, dass der Haufen Verwachsungen, die ich habe, etwas abgeklemmt hat). Der Oberarzt wollte das lieber nicht. Mir war es scheißegal mit Tendenz zum Aufschneiden, Hauptsache, diese Schmerzen gehen weg.

Eine weitere Vermutung war, dass der Pouch an der Anastomose abgeknickt war und so wurde entschieden, dass erst eine Pouchoskopie gemacht wird.

Ich habe dann erst einmal 1-2 Liter quietschgrüne Flüssigkeit auf den Krankenhausboden gekotzt.
Ganz schlecht. Denn jetzt kam er mit einer Magensonde an… Diese Dinger sind schon total abartig, wenn man aus der Narkose damit aufwacht und jetzt sollte ich sie bei vollem Bewusstsein verpasst bekommen?!? Ich hatte bis dahin echt gedacht, dass ich schon alles durch habe…
Aber nein, man hat mir dieses Ding tatsächlich durch die Nase in den Magen geschoben. In 3 Anläufen.

Pouchoskopie brachte kein Ergebnis – Pouch war ok. Oberarzt wollte weiterhin nicht operieren und so hieß es für mich ab auf die Intensivstation.
Der reinste HORROR.
Ich will eigentlich gar nicht weiter darüber schreiben.. Intensivstation halt…Alleine das unentwegte, nur allzu bekannte Piepsen der Beatmungsmaschine aus einem der Nebenzimmer hat mich verrückt gemacht und augenblicklich 1,5 Jahre zurück katapultiert, als ich selbst noch von so einer Maschine beatmet wurde.

So habe ich dann bis Donnerstag nacht vor mich hin gedämmert. Die Magensonde, die bis dahin fleißig gefördert hat, hat dann ihren Geist aufgegeben und seit Stunden keinen Tropen mehr zu Tage gebracht.
Ich habe das gespürt, denn mir stand die Brühe bis kurz vor dem Hals, aber das wollte man mir nicht glauben. Nachdem mich das Ding ohnehin massiv gestört hat und ich mir nichts ekelhafteres, als mit einer Magensonde zu kotzen, vorstellen konnte, habe ich sie mir dann selbst gezogen. Hat dann eine Stunde gedauert und ich habe gute 2 Liter zielsicher in den großen Mülleimer neben meinem Bett befördert. Ab diesem Zeitpunkt ging es ganz langsam bergauf und ich wurde Freitag mittag auf die Normalstation verlegt.

Dann kam man auch einmal auf die Idee, mir Astronautennahrung an die Vene zu hängen – nach 11 Tagen Nulldiät (mit Ausnahme des fatalen Hühnchen Karotten Gerichts)… Nachdem sich keiner getraut hat, mir wenigstens Breinahrung zu genehmigen (Wochenende und kein kompetenter Arzt in Reichweite…), bin ich dann am Sonntag zum Kiosk vor dem Krankenhaus und habe mich mit Joghurt, Knäckebrot und Frischkäse eingedeckt und bin am abend zum Italiener auf der anderen Straßenseite und habe mir einen Teller Risotto genehmigt. Das war herrlich.

Zwei Tage später wurde ich entlassen und habe die Heimreise angetreten.

Die Wochen darauf waren kein Zuckerschlecken. Hab ich auch nicht erwartet, aber dass es so unangenehm wird, auch nicht…
Nach 10 Tagen habe ich die Schmerzen nicht mehr ausgehalten und bin zu meinem Gastroenterologen, der mich dann zur weiteren Untersuchung ins Krankenhaus überwiesen hat. Untersuchung war aufgrund der Schmerzen nicht möglich uns so habe ich mein Täschchen gepackt und stationär aufnehmen lassen, da die Untersuchung noch in der gleichen Nacht in Vollnarkose erfolgte. Vermutung hatte auf Anastomoseverengung oder Pouchitis gelautet. Nichts von beidem konnte festgestellt werden. Das war mir einerseits sehr recht, andererseits aber auch nicht, denn somit hatte ich keine Erklärung für die Schmerzen.
Die folgenden 2 Wochen ging es wieder besser, dann wieder einige Tage schlechter und jetzt wieder besser…
Am meisten stören die Nächte, in denen ich nie mehr als 2 Stunden Schlaf am Stück abbekomme, aber ich habe das Gefühl, dass auch das langsam besser wird – auch wenn es nur Minuten sind….
Auf stopfende Medikamente verzichte ich gänzlich, da ich keine Lust habe, einen Ileus zu provozieren und genug vertrauen in meinen Körper habe, dass er das selbst auf die Reihe bekommt. Auch wenn es dauert. Meine Lebenslektion Nr. 1 – GEDULD.
In ein paar Tagen geht es zurück in die Arbeit, seit 2 Wochen nehme ich an einem Yogakurs teil und war gestern das erste Mal wieder trainieren. Es geht voran.

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Mein erster und letzter Urlaub mit Stoma…

…entstand aus einem spontanen Impuls, dem Alltag so kurz vor der Rückverlegung unbedingt entfliehen zu müssen.

Eine leise Stimme im Hinterkopf „wer weiß, wie es nach der OP wird…“
Die Entscheidung in den Urlaub zu fahren war nicht leicht, da mich erst vor ca. 3 Wochen einmal wieder neue Komplikationen außer Gefecht gesetzt haben. Nach mehreren Tagen starker Schmerzen musste ich zur Endoskopie, bei der ein Loch in meiner Darmschleimhaut „gesichtet“ wurde – Verdacht auf Fistel. Überweisung in´s Krankenhaus zum MRT.

2 Tage vor Ende meiner Wiedereingliederung wieder krank geschrieben. Das war einer der Momente, in denen ich einfach keine Lust mehr hatte. Warum kann nicht einfach einmal Ruhe sein, warum schon wieder Höllenschmerzen trotz starker Schmerzmittel, wann ist das endlich vorbei, hatte ich nicht schon genug?? Die Packungsbeilage der Schmerztabletten studiert und feststellen müssen, dass eine Überdosis nicht tödlich ist, also Augen zu und durch. Für Außenstehende klingt das vermutlich sehr drastisch, aber solche Gedanken kommen einem an solchen Tiefpunkten nun einmal…

Den MRT Termin habe ich erst eine Woche später bekommen und 3 Tage vor dem Termin waren die Schmerzen plötzlich verschwunden, als seien sie nie da gewesen. Auf der MRT Auswertung war dann auch nichts weiter zu finden, was den Verdacht bestätigt hätte. Dafür mehrere große Zysten am rechten Eierstock, die ich abklären lassen sollte.
Also ab zum nächsten Arzt, der sich auf dem Ultraschall dann auch nicht sicher war, ob das jetzt Zysten oder vielleicht doch Verwachsungen sind – Überweisung in´s Krankenhaus zur weiteren Abklärung und ggf. operativen Entfernung. Oh Mann…

Um zurück zum Urlaub zu kommen – mit solchen ständigen unerwarteten Zwischenfällen überlegt man es sich jedenfalls 10 Mal, irgendwo hin zu fahren, wo man nicht in der Nähe des „Krankhauses seines Vertrauens“ ist.

Doch der Drang, hier einfach raus zu müssen nach den vergangenen 1,5 Jahren war größer und ich habe mir ein schönes Hotel in Tisens (Südtirol) von Donnerstag bis Dienstag gebucht, mein „Köfferchen“ (ok, es war ein Riesenkoffer, ein Rucksack, eine Badetasche und 2 Plastiktüten voller Schuhe 😀 ) gepackt und mich in´s Auto gesetzt. Das Hotel lag auf 650m Höhe und hatte einen traumhaften Garten – hier findest du einige Bilder.
Die Tage waren wunderschön und vollgepackt mit Impressionen dieser herrlichen Umgebung. Auf dem „Programm“ standen Wandern in direkter Hotelumgebung und auf dem Vigiljoch, Schloss Trauttmansdorff in Meran, der Kalterersee, eine Reitstunde in Hafling, der gigantische Wasserfall in Partschins (97m Fallhöhe) und zahlreiche Restaurantbesuche. Spontan habe ich dann noch ein paar Nächte verlängert und bin an den Gardasee gefahren – eine sehr gute Idee 🙂 Ich habe nette Bekanntschaften geschlossen, eine kleine Segeltour inkl. Kentern überstanden, Schloss Arco erklommen und einen wunderbaren Tag am Lago di Tenno verbracht.
Das Stoma war zu meinem eigenen Erstaunen „brav“ und hat keinerlei Probleme gemacht, obwohl ich mir jeden Abend ein Gläschen Weißwein gegönnt habe.

 

Wie die Zeit vergeht .​.​.

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Wenn du glaubst, dass ich links oben aber ganz schön scheiße aussehe-da war ich schon wieder topfit (also vergleichsweise) und 4 Wochen wach! Warum ich sowas gruseliges und „unvorteilhaftes“ poste? Weil das die Realität ist bzw. war. Und weil ich dich daran erinnern will, dass dieses Leben wertvoll ist und es ganz schnell vorbei sein kann.
Darum sei dankbar für alles, nimm die Dinge und dich selbst nicht so ernst, entferne alles Negative aus deinem Leben, sei nett zu dir selbst und zu anderen, mach einfach mal eine Pause, wenn alles zu viel erscheint, hör auf deine innere Stimme und verliere nie den Glauben an das Gute und daran, dass alles möglich ist <3