Autsch – die Pouch OP

15 Tage ist meine J-Pouch-OP inzwischen her…J Pouch heißt, man nimmt den Dünndarm, zieht ihn nach unten, wo er „J“-förmig gefaltet wird. In der Mitte wird das Ganze mit so 1-200 Klammern zusammen getackert, unten wird ein Loch rein geschnitten, welches am „Hintertürchen“ festgenäht wird – fertig.

Am 11.3. habe ich – noch guter Dinge – im Krankenhaus eingecheckt, gegen Abend haben mich dann aber schon die ersten Panikattacken überfallen. Warum, kann ich gar nicht so genau sagen – ich vermute, ich habe einfach ein „Krankenhaus – Trauma“…
Am 12.3. dann die Voruntersuchungen – erst CT, schön mit Kontrastmittel lokal und in die Vene, was bereits einen erneuten Beinahe-Nervenzusammenb­ruch ausgelöst hat, dann Endoskopie – dank Vollnarkose währenddessen zwar nichts mitbekommen, aber spätestens als ich mit nicht geringen Schmerzen in einer Blutlache wieder aufgewacht bin, war Feierabend. Bei der Biopsie wurde neben meinem Hausfreund CMV diesmal auch sein EBV (Epstein-Barr) gefunden…
Im direkten Anschluss sollte ich dann den PDK gelegt bekommen – keine Ahnung, wer sich diese beschissene Reihenfolge ausgedacht hat!
Das Ding wird einen im Normalfall im nach vorne gebeugten Sitzen in den Rücken „gerammt“. Sitzen war aber nach der Endoskopie gerade so leider gar nicht mehr möglich. Bock auf dieses Teil hatte ich von Anfang an auch überhaupt keinen – wer will sich schon irgendwas in direkter Nähe des Rückenmarks stechen lassen?? Wurde mir aber mehrfach und eindringlich nahegelegt und mit nahezu „unschlagbaren“ Vorteilen im Hinblick auf die Schmerzbehandlung nach der OP angepriesen.
Nachdem ich nun also nicht sitzen konnte, beschloss man das Ganze im Liegen durchzuführen, mit dem Hinweis, dass das etwas „riskanter“ sei.
Ich würde aufgrund lokaler Betäubung außer einem „leichten Druck“ auch nichts spüren. Na dann. Macht einfach!
Blöderweise habe ich sehr wohl mehr als einen „leichten Druck“ gespürt und habe somit während der Prozedur den nächsten Anfall bekommen.
Ist nicht so günstig, wenn einem gerade im Rücken herum gestochert wird und man unter Heulkrämpfen zuckend auf dem Tisch liegt und eigentlich still halten soll…
Als ich nach diesem Horror dann endlich wieder auf dem Zimmer war, hat es ca. 30 Minuten gedauert, bis meine Beine taub wurden. Ein ziemlich beschissenes Gefühl. Mir wurde versichert, dass das normal sei, weil man während des PDK-Legens eine Testdosis Schmerzmittel gegeben hätte.
Das hat mich allerdings in keinster Weise beruhigt – ich weiß nicht mehr genau, wie oft ich deswegen nach einer Schwester geklingelt habe, aber bis zum Ende des Tages mussten mir 3 verschiedene Ärzte bestätigen, dass es sich um eine gewöhnliche Nebenwirkung handelt.

Am Freitag, den 13.3. dann der große Tag – irgendwie hat´s meine Geschichte mit Zahlen – 2014 war es der 14.4. als ich ins Krankenhaus eingeliefert wurde.
Früh um 7 ging es los. Von der Vorbereitung habe ich nichts mitbekommen, denn nachdem ich bereits wieder völlig am Ende mit meinen Nerven und in Tränen aufgelöst da lag, hat man mich frühzeitig ins Propofol-Land geschickt.
Das kam mir äußerst recht.
Die OP hat knapp 8 Stunden gedauert. Bin dann auf der Intensivstation aufgewacht, wieder mit vollem Programm – Cava Katheter (das schicke Teil im Hals), Magensonde, Blasenkatheter, Wunddrainage, überall Kabel und Schläuche und voll bis obenhin mit Schmerzmitteln und was man sonst noch so braucht. Kann mich noch entfernt daran erinnern, dass der Professor vorbei geschaut und mir mitgeteilt hat, dass soweit alles planmäßig verlaufen ist. Ansonsten fehlt mir vom Freitag Abend und vom kompletten Samstag die Erinnerung. Wahrscheinlich besser so. Halt nein, stop – Freitag Abend hat mir der sehr nette Pfleger noch das Stationstelefon gebracht und für mich die Nummer meiner Mama getippt. Ich glaube, die hat sich sehr gefreut;)
Am Sonntag war sie dann bei mir (zwischen zu Hause und Krankenhaus liegen ca. 330km). Kann mich allerdings auch für den Sonntag an nichts genaues erinnern – außer dass ich sie genötigt habe, ein Foto von mir zu schießen.
Und dass mir der selbe nette Pfleger einen Kaffee gebracht hat. Das werd ich ihm nie vergessen! Kaffee auf der Intensivstation – herrlich!

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2 Gedanken zu „Autsch – die Pouch OP“

  1. Boah, liebe Alex!

    Ich habe keine passenden Worte.​.​. Mein ganzer Körper reagiert auf deine Berichte.​.​. Mit Entsetzen, Mitgefühl (damit meine ich NULL, dass ich nur ansatzweise deinen Schmerz nachvollziehen kann, oder die Verzweiflung schon annähernd erlebt habe), und Angst lese ich, was du die letzen Wochen (wieder) durchgemacht hast.

    Ich versuche, mir vorzustellen, wie alleine ich mich fühlen würde.​.​. Wie sehr ich eine Hand auf meiner bräuchte, warme Worte der Ermutigung und Verständnis von jemandem der mich so tief kennt, dass ich meine Angst und meinen Schmerz nicht kommunizieren müsste.

    Ich freue mich so sehr, dass du bist. Dass du so viel Kraft in deiner Verzweiflung zeigst. Ich freue mich, dass deine Mama für dich da war! Ich freue mich, dass du Unterstützung erfährst, von den Pflegern zu den Ärzten und dann natürlich Familie und Freunden.

    Ich hab‘ dich lieb und denke an dich und werde dich immer wieder im Gebet einbringen.

    Du bist so eine besondere junge Frau, vergiss‘ das nie!
    Sei gestärkt in deiner Gebrochenheit!

    Gute Erholung und einen guten Übergang nach Hause!

    Wann immer du magst, melde dich, ja?

  2. Jesus Christus.​.​.
    Wenn einer sowas nach empfinden kann, dann vielleicht noch der.
    Jedes Horrorbuch nimmt sich dagegen wie`n Scherzartikel aus.
    Ich glaube, mit das Schlimmste ist die Ohnmacht zu fühlen und das Ausgeliefert sein.
    EBV kenn`ich auch aus dem Jahre 2005. In Kombination mit Masern (zum 2-ten Mal in meinem schönen Leben). Fünf Tage konnte keiner sagen, ob ich wieder „normal“ werden würde. Auch die Stech-mal-in-den-Rücken­-Aktion lief bei mir nicht ohne Nebenwirkung ab: Migräne (wo ich sonst nie Kopfweh habe) + speiübel nach 5 Minuten aufrecht gehen/ stehen/ sitzen. Soweit die Kurzversion.
    Aber sowas wie Du da durchmachst.​.​.
    Wenn ich Dir helfen könnte, mit irgendwas.​.​.
    Keine Ahnung.
    Versuch`auf dieser Welt zu bleiben. Manchmal lohnt sich`s doch hoffentlich.

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