Irgendwie hab´ ich mir das einfacher vorgestellt.​.​.

Am Montag ging es dann mit sämtlichen Schläuchen und Kabeln wieder auf die Normalstation. War eigentlich überzeugt, dass das Schlimmste nun überstanden sei. Aber es sollte einmal wieder ganz anders kommen…

Dienstag Abend haben wir angefangen, mir wieder halbwegs normales Essen zu geben. Das hätte funktionieren können, hat es aber nicht.
Ab Mittwoch ging es mir so elend, dass ich von Mittwoch auf Donnerstag Nacht ziemlich ernsthaft dachte, ich würde gleich sterben. Schmerzen, die sich kein Mensch vorstellen kann und gegen die auch NICHTS geholfen hat.
Als ob das nicht reicht, war mir nonstop kotzspeiübel und ich habe im 12 Stunden Takt 1,5-2l Magensaft und Galle gekotzt (hab´ ich überhaupt noch Galle ohne Gallenblase?).
Die Symptome kannte ich schon vom Januar, als ich mit Sub-Ileus (Beinahe-Darmverschluss­) eingeliefert wurde – allerdings war damals nach einer Runde kotzen Ruhe.
Also Donnerstag volles Programm-Ultraschall, Röntgen, CT.
Nulldiät, Schmerzmittel und auf die weitere Behandlung der Sache will ich lieber nicht eingehen, denn das sprengt eindeutig die Ekel-Grenze..
Am Freitag wurde mir dann endlich die Wunddrainage aus dem Unterbauch gezogen – ein doppelläufiges Plastikteil von ca. 35-40cm Länge, das einmal quer durch mich durch am Darm entlang gelegt war. Und siehe da – seitdem ging es nahezu stündlich aufwärts. So sehr, dass ich bereits 24h später beschlossen habe, sämtliche Schmerzmedikamente abzusetzen. War zwar nicht schmerzfrei, aber wollte meinen Körper einfach nicht noch mehr vergiften.
Seit Montag oder Dienstag esse ich wieder einigermaßen normal, was auch relativ gut funktioniert.
Nur das „neue“ Loch im Bauch ist nach wie vor sehr gewöhnungsbedürftig – das war vorher 2cm und ist jetzt gut 3,5cm groß :/
Die Tatsache, dass der letzte halbe Meter meines Dünndarms zum Pouch basteln verwendet wurde, wirkt sich leider auch nicht gerade positiv auf meine Verdauung aus. Das ist nämlich der wichtigste Teil, vor allem, wenn man eh schon keinen Dickdarm mehr hat…
Nun ja, ich bin guter Dinge, dass sich das in den nächsten 3-6 Monaten, bis zur Rückverlegung, alles einpendeln wird. Ich werde weiter berichten.

 

Autsch – die Pouch OP

15 Tage ist meine J-Pouch-OP inzwischen her…J Pouch heißt, man nimmt den Dünndarm, zieht ihn nach unten, wo er „J“-förmig gefaltet wird. In der Mitte wird das Ganze mit so 1-200 Klammern zusammen getackert, unten wird ein Loch rein geschnitten, welches am „Hintertürchen“ festgenäht wird – fertig.

Am 11.3. habe ich – noch guter Dinge – im Krankenhaus eingecheckt, gegen Abend haben mich dann aber schon die ersten Panikattacken überfallen. Warum, kann ich gar nicht so genau sagen – ich vermute, ich habe einfach ein „Krankenhaus – Trauma“…
Am 12.3. dann die Voruntersuchungen – erst CT, schön mit Kontrastmittel lokal und in die Vene, was bereits einen erneuten Beinahe-Nervenzusammenb­ruch ausgelöst hat, dann Endoskopie – dank Vollnarkose währenddessen zwar nichts mitbekommen, aber spätestens als ich mit nicht geringen Schmerzen in einer Blutlache wieder aufgewacht bin, war Feierabend. Bei der Biopsie wurde neben meinem Hausfreund CMV diesmal auch sein EBV (Epstein-Barr) gefunden…
Im direkten Anschluss sollte ich dann den PDK gelegt bekommen – keine Ahnung, wer sich diese beschissene Reihenfolge ausgedacht hat!
Das Ding wird einen im Normalfall im nach vorne gebeugten Sitzen in den Rücken „gerammt“. Sitzen war aber nach der Endoskopie gerade so leider gar nicht mehr möglich. Bock auf dieses Teil hatte ich von Anfang an auch überhaupt keinen – wer will sich schon irgendwas in direkter Nähe des Rückenmarks stechen lassen?? Wurde mir aber mehrfach und eindringlich nahegelegt und mit nahezu „unschlagbaren“ Vorteilen im Hinblick auf die Schmerzbehandlung nach der OP angepriesen.
Nachdem ich nun also nicht sitzen konnte, beschloss man das Ganze im Liegen durchzuführen, mit dem Hinweis, dass das etwas „riskanter“ sei.
Ich würde aufgrund lokaler Betäubung außer einem „leichten Druck“ auch nichts spüren. Na dann. Macht einfach!
Blöderweise habe ich sehr wohl mehr als einen „leichten Druck“ gespürt und habe somit während der Prozedur den nächsten Anfall bekommen.
Ist nicht so günstig, wenn einem gerade im Rücken herum gestochert wird und man unter Heulkrämpfen zuckend auf dem Tisch liegt und eigentlich still halten soll…
Als ich nach diesem Horror dann endlich wieder auf dem Zimmer war, hat es ca. 30 Minuten gedauert, bis meine Beine taub wurden. Ein ziemlich beschissenes Gefühl. Mir wurde versichert, dass das normal sei, weil man während des PDK-Legens eine Testdosis Schmerzmittel gegeben hätte.
Das hat mich allerdings in keinster Weise beruhigt – ich weiß nicht mehr genau, wie oft ich deswegen nach einer Schwester geklingelt habe, aber bis zum Ende des Tages mussten mir 3 verschiedene Ärzte bestätigen, dass es sich um eine gewöhnliche Nebenwirkung handelt.

Am Freitag, den 13.3. dann der große Tag – irgendwie hat´s meine Geschichte mit Zahlen – 2014 war es der 14.4. als ich ins Krankenhaus eingeliefert wurde.
Früh um 7 ging es los. Von der Vorbereitung habe ich nichts mitbekommen, denn nachdem ich bereits wieder völlig am Ende mit meinen Nerven und in Tränen aufgelöst da lag, hat man mich frühzeitig ins Propofol-Land geschickt.
Das kam mir äußerst recht.
Die OP hat knapp 8 Stunden gedauert. Bin dann auf der Intensivstation aufgewacht, wieder mit vollem Programm – Cava Katheter (das schicke Teil im Hals), Magensonde, Blasenkatheter, Wunddrainage, überall Kabel und Schläuche und voll bis obenhin mit Schmerzmitteln und was man sonst noch so braucht. Kann mich noch entfernt daran erinnern, dass der Professor vorbei geschaut und mir mitgeteilt hat, dass soweit alles planmäßig verlaufen ist. Ansonsten fehlt mir vom Freitag Abend und vom kompletten Samstag die Erinnerung. Wahrscheinlich besser so. Halt nein, stop – Freitag Abend hat mir der sehr nette Pfleger noch das Stationstelefon gebracht und für mich die Nummer meiner Mama getippt. Ich glaube, die hat sich sehr gefreut;)
Am Sonntag war sie dann bei mir (zwischen zu Hause und Krankenhaus liegen ca. 330km). Kann mich allerdings auch für den Sonntag an nichts genaues erinnern – außer dass ich sie genötigt habe, ein Foto von mir zu schießen.
Und dass mir der selbe nette Pfleger einen Kaffee gebracht hat. Das werd ich ihm nie vergessen! Kaffee auf der Intensivstation – herrlich!

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